Samstag, 7. September 2013

Ein paar Fotos!

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Der Hauptplatz in der Altstadt

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Moschee aus dem 16. Jahrhundert, heute eine katholische Kirche

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Mein Zimmer (Mist, ich weiß nicht, wie man das Bild dreht...?)

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Blick von meinem Balkon. Unsere Wohnung liegt zwischen dem Bahnhof und der Zentrum, ein riesiges Einkaufszentrum ist um die Ecke. Keine schlechte Lage :)

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Meine Fakultät. Stellt sie euch von innen ungefähr so wie den Brechtbau vor, nur noch unübersichtlicher und heruntergekommener ;) Dafür sind die Dozenten unheimlich motiviert und freundlich!

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Kathedrale von Pécs

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Noch ein schöner Platz... mit dem aus Tourismusprospekten bekannten "südlichen Flair"...

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Die Synagoge von Pécs, ein stattliches Gotteshaus. Vor dem zweiten Weltkrieg lebten über 4000 Juden in Pécs, heute besuchen noch 50-60 den Gottesdienst, der schon lange nicht mehr in der zu groß gewordenen Synagoge stattfindet.

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Ausflug nach Orfü, ein Naherholungsgebiet in der Nähe von Pécs, bei sommerlichen 30 Grad!

Montag, 2. September 2013

The Erasmus Way of Life

Ein Erasmus Semester zu machen ist ein bisschen so, wie die Führerscheinprüfung abzulegen. Irgendwann ist mehr oder weniger jeder dran, oder zumindest kennt jeder einen Haufen Leute, die es schon gemacht haben und glaubt daher genau zu wissen, wie es funktioniert. Dennoch ist man dann irgendwie überrascht, alle seine Erwartungen erfüllt zu sehen. Und die Erwartung an das Leben von Erasmusstudenten lautet spätestens nach dem Filmerfolg „L`auberge espagnol“: Party, Sex und Alkohol.

Der erste Erasmus-Partyabend: Ich bin zu Besuch im Hunyor-Hostel. Im Halbdunkel auf der Terrasse stehen unzählige junge Menschen mit Bierdosen oder Weinflachen in der Hand. Teils zu zweit, teils in kleinen Grüppchen wird gelacht, geplaudert, geraucht. Ein paar Leute spielen Bierpong.

Das Wohnheim sieht mit seinen muffigen Teppichböden, den großen, gardinenverhängten Fenstern und der Rezeption am Eingang exakt aus wie ein Hotel. Ein reichlich heruntergekommenes freilich. Die ausrangierten Leuchtbuchstaben, die vor dem Gebäude im Gras liegen und das Wort „Hotel“ formen, lassen darauf schließen, dass tatsächlich ein umfunktioniertes Gästehaus als Unterkunft für die Erasmusstudenten dient. Schon ein komisches Gefühl, ein ganzes Semester lang in einem Hotelzimmer zu hausen: Rechts nach dem Eingang ein abgetrenntes Bad, danach rechts an der Wand zwei Betten, auf der gegenüberliegenden Seite ein Fernseher, ein Schreibtisch und ein Kühlschrank der, so heißt es, schon mal der ein oder anderen Kakerlake Unterschlupf gewährt. Der Unterschied zu einem Hotel: Auf Nachtruhe wird kein gesteigerter Wert gelegt. Denn der ganze sechsstöckige Bau ist mit feierwütigen Studenten bevölkert.

Auf der Terrasse vor dem Haupteingang wird heute circa 10 000 Mal das gleiche Gespräch geführt: Wie heißt du, wo kommst du her, was studierst du. Es folgen ein paar lauwarme Scherze und Stereotype über das jeweilige Herkunftsland oder Studienfach (und wenn die gar nichts hergeben sogar über den Namen). Häufig taucht auch die Frage auf, das einen gerade nach Pécs verschlagen hat. Nicht Wenige antworten ganz ungeniert: Ich will mal ein Semester lang richtig Party machen, und in Ungarn ist der Alkohol so billig. Das Trinken und die Party spielen so eine wichtige Rolle, dass ein regelrechtes Wettkampfdenken herrscht. Je mehr Extase, je mehr Alkohol, desto besser. Sich dem zu entziehen ist ohne erhebliche Imageverluste eigentlich nicht möglich. Respekt erwirbt man sich durch Trinkfestigkeit und Ausdauer, wer als erster schlafen geht, hat schon verloren.

Später am Abend im Klub werden auf recht körperliche Weise Brücken zwischen den Nationen geschlagen. Ob es den alten Erasmus von Rotterdam gefreut hätte? Wer weiß.

Neue Erkenntnisse über andere Länder oder interdisziplinären Austausch kann man von dieser Art Konversation natürlich nicht erwarten. Das alles ist nicht wirklich überraschend, aber doch so absurd, dass man es eigentlich erst nach einem beträchtlichen Alkoholkonsum genießen kann.

Eines muss man den Hotelgästen freilich lassen: Mit ihren unendlich vielen vergleichstauglichen Faktoren bietet sie eine optimale Untersuchungsgruppe, die dazu einlädt, hemmungslos den alten ethnologischen Kulturbegriff (ein Kollektiv=eine Kultur) anzuwenden und wilde Thesen aufzustellen: Haben die Angehörigen mancher Nationen (z.B. Litauen) ein größeres Bedürfnis, sich zusammenzurotten als andere (z.B. die Deutschen)? Und woran liegt das? An der Größe des Staates oder an der historisch bedingt unterschiedlich stark ausgeprägten Identifikation mit dem Herkunftsland? Warum erzeugen gewisse Akzente (z.B. der französische oder der Italienische) eine höhere Sympathie als akzentfreies Englisch? Steht die Länge bzw. Kürze der Ohrringe und des Rockes bei Frauen in Relation mit dem Studienfach – mit Psychologie an einem und BWL am anderen Ende der Skala?

Fragen über Fragen. Das Problem ist nur, das man nur eines tun kann: Kritisch-distanziert beobachten oder selbst Spaß haben. Ich kann mich einfach nicht entscheiden…

Sonntag, 1. September 2013

Ankunft mit Hindernissen

Chronik einer Odyssee


8:15: Ich steige in Tübingen in den Zug, winke dem Neckar und dem Schloss zum Abschied zu, bis sie um die Ecke verschwunden sind. Danach verläuft erst mal alles erstaunlich lang reibungslos.

18:30: Bahn.de hat vorgeschlagen, dass ich am Bahnhof Budapest-Kelenföld in den Zug nach Pécs umsteigen soll. Ein Ticket für diesen letzten Streckenabschnitt habe ich noch nicht, aber ich habe ja 1½ Stunden Aufenthalt. Genug Zeit, um ein paar ungarische Forint abzuheben oder umzutauschen und eine Fahrkarte nach Pécs zu besorgen. Dachte ich.

18:31: Das soll Budapest sein?! Sieht ziemlich verlassen aus. Ach ja, der Budapester Hauptbahnhof heißt ja auch nicht Kelenföld, sondern Keleti. Voll Panik noch mal auf den Reiseplan geschaut: Nein, uff, alles richtig. Hier soll der Zug nach Pécs abfahren.

18:40: Also zuerst mal eine Bank suchen. Kaum zu fassen, in Ungarn sprechen tatsächlich alle Ungarisch! Langsam und wackelig wage ich meine ersten Versuche in dieser Sprache, während ich mit dem Finger im Sprachführer für den Notfall die entsprechende Seite markiert habe. Der Erfolg lässt allerdings zu wünschen übrig, zumindest was das Ergebnis angeht. Bankautomaten scheint es hier genauso wenig zu geben wie Wechselstuben.

18:50: Yeah, man kann die Tickets auch mit Euros bezahlen! Wenige Minuten und 25 Euro später halte ich mein Ticket in der Hand.

19:05: Ich sehe den Fahrschein noch mal genauer an. Warum steht da jetzt Budapest-Wien drauf? Da komm ich doch gerade her…? Moment, wie heißt Wien noch mal auf Ungarisch? Genau, Bécs!

19:20: Ich stehe erneut am Schalter, um das Missverständnis aufzuklären und die richtige Karte zu erwerben. Die Schalterdame blickt mich nur verständnislos an. Nein, Inland-Tickets könne ich selbstverständlich nicht mit Euros bezahlen… und Bankautomaten und Wechselstuben gibt es frühestens im Bahnhof Budapest Keleti. Der nächste Zug zum Budapester Hauptbahnhof fährt in 10 Minuten, der nach Pécs in einer halben Stunde, in Keleti also wahrscheinloch schon etwas früher…

19:43: Ich hüpfe im Budapester Zentrum aus dem Zug und renne (insofern das mit Gepäck für 4 Monate möglich ist) zum Ticketschalter, der sich eine Etage tiefer befindet. Dort kann man mit EC-Karte zahlen.

19:45: Der letzte Zug nach Pécs für heute ist gerade abgefahren. Der nächste fährt morgen um 5:41.

19:46: Die Treppe nach oben in die Bahnhofshalle ist in den letzten Minuten um das dreifache gewachsen. Ein junger Ungar, Ferenc, hilft mir mit dem Gepäck und befindet, dass ich erst mal eine Zigarette nötig habe. Nachdem ich ihm mein Dilemma erklärt habe, versteht er meinen leicht zerstreuten Zustand. Gemiensam überlegen wir, wo ich so spät abends noch ein Hostel-Zimmer in Budapest herbekomme.

20:00: Alle Informationsschalter sind schon geschlossen und auch die Infohotline für Backpacker ist schon nicht mehr besetzt.

20:53: Das Internetcafé ist meine Rettung. Nach fünf Anrufen ist ein leeres Bett gefunden. Der nette Herbergsvater erklärt mir detailliert den Weg.

21:00: Typisch ungarisches Willkommensessen bei Burger King.

21:38: Das Hostelzimmer ist ein Traum: Es gibt W-Lan, eine Dusche und eine weiche Matratze auf einem Etagenbett. Nach 15 Minuten englischer Konversation mit dem Herbergsvater stellen wir fest, dass wir beide aus Deutschland kommen. Ich bin todmüde, aber der Balkon bietet einen schönen Ausblick über die Stadt und angenehme Konversation mit zwei chinesischen Globetrottern.

00:20: Schlafenszeit.

4:00: Einer der Chinesen bricht auf. Er hat als Wecker den Ton einer Alarmsirene eingestellt.

4:40: Eine amerikanische Partyfraktion kommt aus dem Klub zurück und setzt die Feier auf dem Balkon vor meinem Schlafsaal fort.

5:50: Endlich Ruhe.

6:00: Mein Wecker klingelt.

7:41: Der Zug rollt aus dem Bahnhof in Keleti. Von der schönen Landschaft während der Fahrt bekommt Eva nicht allzu viel mit…

10:43: Pécs empfängt mich mit strahlendem Sonnenschein. Willkommen zu Hause!

Donnerstag, 29. August 2013

Der Sprung ins kalte Wasser

Als ich in der 11. Klasse ein Praktikum bei einer lokalen Tageszeitung absolvierte, bekam ich vom Redakteur meines Ressorts den Auftrag, eine Serie über die Freibäder in der Region zu verfassen. Ich sollte sie entsprechenden Etablissements aufsuchen und anschließend schriftlich von meinen Erfahrungen berichten. Ein absoluter Traumjob für junge Journalisten in den großen Ferien. Eigentlich.

Ich hasse Freibäder. Es bleibt mir ein Rätsel, was Menschen so attraktiv daran finden, sich stundenlang auf einem grasigen Handtuch zu räkeln oder sich in zu kalten und zu schmutzigen Schwimmbecken zu tollen. Ich saß also im Waldschwimmbad Bammental auf meinem Handtuch, umringt von zahlreichen, nur teilweise ästhetischen Leibern, und langweilte mich zu Tode. Die einzige Attraktion in dem leicht heruntergekommenen Gemeindeschwimmbad, ein 3-Meter-Sprungbrett, war mir nicht geheuer. Ich bin generell nicht unbedingt für Höhen zu haben, und dann auch noch in der Verbindung mit Wasser… Aber irgendwas musste ich tun, irgendwie die Zeit totschlagen und nach Möglichkeit am Ende des Tages meine 5000 Zeichen abliefern. In meiner Verzweiflung beschloss ich spontan, mich meinen Ängsten zu stellen.

Zögerlich erklomm ich das schwankende Sprungbrett. Zwischen mir und dem sicheren Grund lagen nicht nur drei Meter freier Fall, sondern auch eine dicke Schicht des feindlichen Elements Wasser. Ich versuchte, nicht nachzudenken, nur noch zu zählen: 1, 2, 3…
Dann der Sprung ins Ungewisse.
***
An diesem Tag sprang ich noch viele Male vom Sprungturm. In der Zeitung berichtete ich mit ironischem Unterton von meiner Heldentat. Der Artikel war gerettet und ich um eine Erkenntnis reicher: Ein Sprung ins kalte Wasser kostet Kraft und Überwindung. Oft ist es aber das einzige, das weiterbringt.

„Moment: Etwas zu tun, wovor man sich fürchtet, worauf man nicht vorbereitet ist doch hochgradig leichtsinnig! Geradezu absurd!“, höre ich den Leser sagen. Mag sein. Aber ich verdanke solchen absurden Aktionen tatsächlich die besten Momente meines Lebens. Drei Jahre nach dem Redaktionspraktikum brach ich zu einem einjährigen Freiwilligendienst nach Tschechen auf. Ich fuhr in ein Land, dessen Sprache und Kultur mir völlig fremd waren. Keine Ahnung, was mich zu dieser wahnwitzigen Entscheidung bewogen hat. Jedenfalls habe ich es nie bereut. Oft ist das Wasser wärmer und der Aufprall sanfter als gedacht.

Morgen fahre ich für ein Semester nach Ungarn. Ich habe keine Ahnung, wie dort der akademische Betrieb, die Mietverträge oder die Fahrscheinautomaten funktionieren. Von der Sprache kann ich bisher nicht mehr als ein paar Fetzen. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, und um ehrlich zu sein, habe ich einen Riesenbammel.

Wer ins kalte Wasser springt, erlebt etwas, was er sonst nicht erleben würde. Im besten Fall etwas, worüber es sich zu berichten lohnt. Das werde ich in den kommenden Monaten in diesem Blog versuchen. Versprechen kann ich allerdings noch nichts. Ich zähle:
1,2,3…

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