Sonntag, 1. September 2013

Ankunft mit Hindernissen

Chronik einer Odyssee


8:15: Ich steige in Tübingen in den Zug, winke dem Neckar und dem Schloss zum Abschied zu, bis sie um die Ecke verschwunden sind. Danach verläuft erst mal alles erstaunlich lang reibungslos.

18:30: Bahn.de hat vorgeschlagen, dass ich am Bahnhof Budapest-Kelenföld in den Zug nach Pécs umsteigen soll. Ein Ticket für diesen letzten Streckenabschnitt habe ich noch nicht, aber ich habe ja 1½ Stunden Aufenthalt. Genug Zeit, um ein paar ungarische Forint abzuheben oder umzutauschen und eine Fahrkarte nach Pécs zu besorgen. Dachte ich.

18:31: Das soll Budapest sein?! Sieht ziemlich verlassen aus. Ach ja, der Budapester Hauptbahnhof heißt ja auch nicht Kelenföld, sondern Keleti. Voll Panik noch mal auf den Reiseplan geschaut: Nein, uff, alles richtig. Hier soll der Zug nach Pécs abfahren.

18:40: Also zuerst mal eine Bank suchen. Kaum zu fassen, in Ungarn sprechen tatsächlich alle Ungarisch! Langsam und wackelig wage ich meine ersten Versuche in dieser Sprache, während ich mit dem Finger im Sprachführer für den Notfall die entsprechende Seite markiert habe. Der Erfolg lässt allerdings zu wünschen übrig, zumindest was das Ergebnis angeht. Bankautomaten scheint es hier genauso wenig zu geben wie Wechselstuben.

18:50: Yeah, man kann die Tickets auch mit Euros bezahlen! Wenige Minuten und 25 Euro später halte ich mein Ticket in der Hand.

19:05: Ich sehe den Fahrschein noch mal genauer an. Warum steht da jetzt Budapest-Wien drauf? Da komm ich doch gerade her…? Moment, wie heißt Wien noch mal auf Ungarisch? Genau, Bécs!

19:20: Ich stehe erneut am Schalter, um das Missverständnis aufzuklären und die richtige Karte zu erwerben. Die Schalterdame blickt mich nur verständnislos an. Nein, Inland-Tickets könne ich selbstverständlich nicht mit Euros bezahlen… und Bankautomaten und Wechselstuben gibt es frühestens im Bahnhof Budapest Keleti. Der nächste Zug zum Budapester Hauptbahnhof fährt in 10 Minuten, der nach Pécs in einer halben Stunde, in Keleti also wahrscheinloch schon etwas früher…

19:43: Ich hüpfe im Budapester Zentrum aus dem Zug und renne (insofern das mit Gepäck für 4 Monate möglich ist) zum Ticketschalter, der sich eine Etage tiefer befindet. Dort kann man mit EC-Karte zahlen.

19:45: Der letzte Zug nach Pécs für heute ist gerade abgefahren. Der nächste fährt morgen um 5:41.

19:46: Die Treppe nach oben in die Bahnhofshalle ist in den letzten Minuten um das dreifache gewachsen. Ein junger Ungar, Ferenc, hilft mir mit dem Gepäck und befindet, dass ich erst mal eine Zigarette nötig habe. Nachdem ich ihm mein Dilemma erklärt habe, versteht er meinen leicht zerstreuten Zustand. Gemiensam überlegen wir, wo ich so spät abends noch ein Hostel-Zimmer in Budapest herbekomme.

20:00: Alle Informationsschalter sind schon geschlossen und auch die Infohotline für Backpacker ist schon nicht mehr besetzt.

20:53: Das Internetcafé ist meine Rettung. Nach fünf Anrufen ist ein leeres Bett gefunden. Der nette Herbergsvater erklärt mir detailliert den Weg.

21:00: Typisch ungarisches Willkommensessen bei Burger King.

21:38: Das Hostelzimmer ist ein Traum: Es gibt W-Lan, eine Dusche und eine weiche Matratze auf einem Etagenbett. Nach 15 Minuten englischer Konversation mit dem Herbergsvater stellen wir fest, dass wir beide aus Deutschland kommen. Ich bin todmüde, aber der Balkon bietet einen schönen Ausblick über die Stadt und angenehme Konversation mit zwei chinesischen Globetrottern.

00:20: Schlafenszeit.

4:00: Einer der Chinesen bricht auf. Er hat als Wecker den Ton einer Alarmsirene eingestellt.

4:40: Eine amerikanische Partyfraktion kommt aus dem Klub zurück und setzt die Feier auf dem Balkon vor meinem Schlafsaal fort.

5:50: Endlich Ruhe.

6:00: Mein Wecker klingelt.

7:41: Der Zug rollt aus dem Bahnhof in Keleti. Von der schönen Landschaft während der Fahrt bekommt Eva nicht allzu viel mit…

10:43: Pécs empfängt mich mit strahlendem Sonnenschein. Willkommen zu Hause!

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